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Zünfte sind ein Zusammenschluß von Handwerkern einzelner Gewerbe zu Genossenschaften.

Markt um 1300

Handwerker
Im Mittelalter arbeiteten die Handwerker für einen lokalen, d.h. einen sehr begrenzten Markt. Die Spezialisierung der Handwerker nahm durch den steigenden Bedarf an verschiedenen Waren und Dienstleistungen zu. Die Handwerker einzelner Gewerbe begannen sich zu Organisationen, den sogenannten Zünften zusammenzuschließen, um ihre Ziele besser verfolgen zu können. Dazu gehörten ausreichende und gesicherte Einkünfte, Schutz vor Konkurrenz, Sicherheit im Alter, fachliche Anerkennung. Des weiteren sollte der Verkauf von importierten Waren verboten werden.
Um die wirtschaftlichen Interessen der Zünfte zu sichern, erschuf man sogenannte Zunftordnungen. In ihnen wurden feste Regelungen für den Beruf der Handwerker zusammengefaßt.
Alle Geschäfte des gleichen Gewerbes sollten mit den gleichen Materialien ausgestattet sein. Kein Zunftmeister durfte Werbung für sein Geschäft machen. Alle sollten die gleichen Öffnungs- und Arbeitszeiten haben. Man wollte sicher gehen, daß alle die gleichen Ausgangschancen besaßen. Auch Preis und Qualität der Waren sowie die Produktionsmengen der Güter wurden von den Zünften festgelegt. Ziel war die Unterbindung von Konkurrenz. Erreicht wurde dies auch durch einen Zunftzwang, der ganz klar im Gegensatz zur Gewerbefreiheit stand. Ein Geschäft, das sich nicht der entsprechenden Zunft unterordnete, konnte nicht überleben: Waren ohne Zunftstempel durften nicht in der Stadt verkauft werden.
Des weiteren wurden die Zulassung zu einem Beruf, die Ausbildung der Lehrlinge und die Anforderungen an die Gesellen genau festgelegt, damit alle genug Arbeit hatten.

Krämerbrücke in Erfurt
Quelle: Statuten der Bäckerzunft
 
Durch diese Festlegungen konnten die Zünfte ihren Mitgliedern eine beherrschende Stellung (auf dem Markt) sichern.
In gewissem Maße besaßen die Zünfte Autonomie. Nur ihre Zunftordnung mußte durch den Rat der Stadt abgesegnet werden.
Wenn man Wünsche an den Rat der Stadt hatte oder einfach nur gemeinsam feiern wollte, traf man sich in der Zunftstube. Dort befand sich auch die Zunftlade, in der die Zunftordnung sowie die Zunftfahne aufbewahrt wurden.
Manche Zünfte besaßen in den Kirchen und Kapellen der Stadt eigene Altäre. Dort verehrten sie ihren Schutzpatron (z.B. war der Hl. Martin der Schutzpatron der Tuchmacher).
Daß die Handwerker einer Zunft eng beieinander wohnten beweisen heute noch die Straßennamen wie Metzgersgasse, Webergasse oder Krämerbrücke, aber auch Gebäude wie der Waidspeicher.

Bei feindlichen Angriffen hatten die Zünfte einen bestimmten Abschnitt der Stadtmauer als Verteidigungsgemeinschaft zu sichern.
Die Zünfte bestimmen somit das gesamte Leben der Menschen in der Stadt im Mittelalter.

Die Zünfte waren in drei Klassen untergliedert: Meister, Gesellen und Lehrlinge. Da jedoch nur Meister entscheidungsbefugt waren, sind die Zünfte als Organisation der Meister anzusehen. Die Ausbildung war meist vorgeschrieben und bestand aus Lehrzeit, Gesellenzeit und Wanderzeit. Die Lehrlinge und Gesellen lebten in der Regel im Haushalt des Meisters. Die Lehrlinge erhielten im Allgemeinen nur Unterkunft und Verpflegung für ihre Tätigkeit. Hatte ein Lehrling seine Lehre beendet, wurde er Geselle und erhielt einen festen (allerdings geringen) Lohn für seine Arbeit. Mit der Zeit konnte der Geselle Meister werden. Da jedoch die Meister danach trachteten, ihre Zahl möglichst gering zu halten, waren die Bedingungen, unter denen ein Geselle Meister werden konnte, nur sehr schwer zu erfüllen.
Falls ein Meister starb, durfte seine Witwe das Gewerbe weiterführen. In einigen Städten mußte sie allerdings nach einer bestimmten Zeit wieder einen Zunftmeister heiraten oder einen Gesellen einstellen.
Es existierten nur vier Zünfte, die Frauen als Zunftmitglieder akzeptierten: Garnmacher, Goldspinner, Seidenweber, Seidenmacher)
Die Zünfte verfügten über Mitgliedskassen, aus denen die Unterstützung für Arme, Alte, Kranke und Arbeitslose sowie für Witwen und Waisen bezahlt wurde. Auch boten die Zünfte soziale Absicherung für die Kinder und die Frau des Meisters teilweise auch für dessen Gesellen.
 
Im späten Mittelalter traten verstärkt Probleme auf.
In vielen Städten, in denen das Handwerk einen großen Anteil am Wirtschaftsleben hatte, kam es im 14. Jh. oft zu blutigen Aufständen, da die Zünfte nach einer Beteiligung an der Stadtpolitik bzw. der Stadtverwaltung strebten. Teilweise lösten große Zünfte den Stadtrat auf, verjagten Patrizier oder sperrten sie ein, um in den Stadtrat aufgenommen zu werden. In einigen Städten beherrschten die Zünfte ganz die Städte.
Ein weiteres Problem waren die erschwerten Aufstiegschancen Meister zu werden. Die Bedingungen waren so hart, daß nur noch ein Teil der Gesellen Meister werden konnte:
  1. sie mußten ein Meisterstück auf eigene Kosten anfertigen
  2. das Bürgeraufnahmegeld bezahlen
  3. sich einen eigenen Harnisch (= (Brust-)Panzer) anfertigen lassen
  4. verschiedene Beträge an die Zunft zahlen
  5. für die Zunftkirche Wachskerzen kaufen
  6. einen Hausbesitz oder das nötige Geld dazu vorlegen und
  7. ein Mahl von mehreren Gängen für alle Meister der Zunft spenden.
Mit ihrem sehr geringen Lohn, den sie für 12-16 Stunden Arbeit pro Tag bekamen konnten sie kaum überleben und erst recht nicht diese Bedingungen erfüllen.
Die Gesellen gründeten Bruderschaften bzw. Verbände, um verkürzte Arbeitszeiten und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erreichen. Des weiteren wollten sie eine Festsetzung der Bußen bei Vertragsbrüchen erreichen.
Es wurden Mitgliederbeiträge bezahlt, mit denen kranke Gesellen und Lehrlinge unterstützt wurden sowie für die Einrichtung von Gesellenherbergen gesorgt wurde. Dort konnte man kostenlos mit Essen und Trinken versorgt werden.
Wenn ein Meister nicht mit sich verhandeln ließ, kam es zu Arbeitskämpfen und Streiks.
Zünfte und später auch die Bruderschaften können also als Vorläufer der modernen Gewerkschaften gesehen werden.
 
Die Zünfte stellten eine einflußreiche Wirtschaftsmacht dar. Sie sorgten für das wirtschaftliche Wohlergehen der Bevölkerung in den Städten. Auch besaßen sie die Macht den Verkauf von importierten Waren zu untersagen. Außerdem stellten sie hohe Qualitätsansprüche, was den Käufern zu gute kam. Jedoch wurden dem Käufer billigere Preise (beispielsweise durch verbesserte Herstellungsmethoden) verweigert.