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Kultur in den Städten des Mittelalters

Im frühen Mittelalter bedeutete Kultur vor allem die Bereitstellung und Systematisierung des Wissens aus der Vergangenheit. Dazu wurden Werke klassischer Autoren kopiert und teilweise mit Anmerkungen versehen sowie enzyklopädische Werke zusammengestellt.
Im Mittelpunkt der Wissenschaft stand die Bibel. Weltliches Wissen galt lediglich als Voraussetzung für das Verständnis der heiligen Schrift.

Faktoren zur Gründung von Universitäten

          
          Hörsaal der Juristen-Fakultät der Leipziger Universität, Darstellung aus dem 17. Jh.

Zwei wesentliche Faktoren trugen zur Gründung von Universitäten und der damit verbundenen aufgeklärteren Denkweise bei.
Zum einen ist die Ursache in einer 'Reform' des Bildungswesens zu sehen.
Lange Zeit lag Bildung in den Händen der Geistlichkeit, d.h. im Mittelpunkt standen das Studium der Bibel und der Versuch aus ihr die Welt zu erklären. Doch in den Städten begann sich unter den Räten Widerstand gegen das Bildungsmonopol der Kirche zu regen. In harten Auseinandersetzungen kämpften sie dagegen an und erreichten schließlich eine Öffnung der Schulen für ihre Kinder sowie eine Einflußnahme auf die Lehrpläne und den Unterricht.
Dies führte zur Gründung von eigener Stadtschulen. Anfangs waren das nur einfache Lese- und Schreibschulen. Später entwickelten sich hieraus höhere Schulen. Domschulen waren der Ausgangspunkt für die Gründung von Universitäten.
Die Städte fungierten nach 1100 also verstärkt als Bildungszentren.
 
Ein zweiter wichtiger Faktor für den Aufschwung des Bildungswesens ist der Kontakt mit der arabischen/islamischen Welt, beispielsweise durch arabische Expansionen in Spanien, durch die Kreuzzüge, vor allem aber durch den Fernhandel mit arabischen Regionen.
Die Kenntnisse der Araber in den Wissenschaften standen auf einem weit höheren Niveau als das der Europäer. Durch den Kontakt mit der islamischen Welt setzte man sich ernsthaft mit den arabischen Wissenschaften auseinander. Islamische Werke wurden ins Lateinische übersetzt. Das Wissen der arabischen Astronomen, Alchimisten, Ärzte, Mathematiker und Philosphen wurde zur Grundlage europäischer Forschung. Die Medizin entwickelte sich erheblich weiter. Die Heilwirkung von Pflanzen wurde systematisch untersucht, das Wissen über den menschlichen Körper erweiterte man durch Sezieren von Leichen. Es entwickelte sich die Chirurgie und es wurden erstmals Hospitäler nach arabischen Vorbild eingerichtet.
Auch die Mathematik erlebte durch den Kontakt mit der arabischen Welt einen Aufschwung. Im 13.Jh. wurde das arabische Zahlensystem eingeführt, was zu einer Vereinfachung des Rechnens führte. Die mathematischen Entwicklungen bildeten die Grundlage für die neue Wissenschaft der Astronomie. Mit der gleichzeitigen Rückbesinnung auf griechisches und römischen Denkens begann sich ein neues Weltbild zu entwickeln: das geozentrische Weltbild.
Die Öffnung der Schulen und der Kontakt mit den arabischen Wissenschaften führten also schließlich zur Gründung von Universitäten.
Die ersten Universitäten entstanden durch den Zusammenschluß von Studenten und Lehrern zu Genossenschaften, den sogenannten 'universitates'. Ihr Ziel war das gemeinsame Lösen von Problemen in ritualisierten Formen des Streitgespräches.

Scholastik und Studium    

Schon bald entwickelte sich an den Universitäten eine neue Form des Denkens und des wissenschaftlichen Arbeitens, die Scholastik. Ziel war das vernunftmäßige Durchdringen eines Gegenstandes in vier Schritten:

Alte Universität Erfurt
  1. Lesen eines Textes (lectio)
  2. Problemstellung (questio)
  3. Diskussion (disputio)
  4. Logische Lösung des Problems (determinatio)
Dies führte zu einer Überprüfung und Systematisierung des Wissens. Wichtige Vertreter der Scholastik waren beispielsweise Anselm von Canterbury oder Thomas von Aquin. Ihr Gedanke war es, die Erkenntnisse der Welt mit den Worten der Bibel in Einklang zu bringen.
Die ersten deutschen Universitäten wurden 1348 in Prag, 1365 in Wien bzw. 1368 in Heidelberg gegründet. 1392 wurde die Erfurter Universität eröffnet.
Vorbilder waren die Universitäten in Paris (Logik, Theologie), in Bologna (Rechtswissenschaften) bzw. in Salerno und Montpellier (Medizin).
Das Studium beinhaltet das 6-jährige Grundstudium an der Artistenfalkutät. Hier wurden dir freien Künste gelehrt:
Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie.
Darauf folgte das Hauptstudium in Spezialgebieten z.B. Theologie oder Medizin.

Entwicklung der Städte durch Universitäten    

Die Universitätsgründungen trugen maßgeblich zur Entwicklung der Städte bei. Zum einen mußten die vielen Studenten untergebracht werden, d.h. das Bauwesen erlebte einen Aufschwung. Auch mußten die Studenten und Professoren mit Nahrungsmitteln und Kleidung versorgt werden.
Durch die vielfältigen Herkunftsorte der Studenten kam es zu einem Austausch von Meinungen und Lebensweisen.
Später profitierten auch Schreiber, Buchhändler, Buchdrucker, Buchbinder, Kupferstecher und Kupferdrucker von den Universitäten.
Allgemein erfolgte eine Erweiterung des räumlichen und geistigen Horizonts.
Das Wissen sowie die Lese- und Schreibfähigkeit waren also von nun an nicht mehr allein auf den Klerus beschränkt.

Friedrich II. erkannte als einer der ersten mittelalterlichen Herrscher, daß man die 'neuartigen Ausbildungsstätten' für die Bedürfnisse des Staates vorteilhaft genutzt werden konnte. So wurden aus der akademischen Elite zahlreiche Verwaltungsbeamte rekrutiert.